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16.01.2018 11:18 Alter: 35 days

Mobiler Service verbindet Segeberger

Mitfahrnetz nahm Betrieb auf - Kreis will Möglichkeiten der Menschen im ländlichen Bereich verbessern


Landrat Jan Peter Schröder (links) und Projekt-Lenkungsgruppenleiter Arne Hansen nahmen zum Start des Mitnfahrnetzes auf einer Mitfahrbank Platz, im Schriftzug ist das neue Logo des Kreises Segeberg integriert.

Projektleiterin Julia Maßow vom Kreis Segeberg zeigt das Schild, das an Haltestellen installiert werden soll. Fotos: Petra Stöver

KREIS SEGEBERG. Das Mitfahrnetz im Kreis Segeberg ist gestartet. Jetzt kommt es auf bereitwillige Autofahrer an, die andere Leute mitnehmen. Sie sind der Schlüssel zum Erfolg, damit das Mitfahrnetz, auch tatsächlich Orte und Menschen im Kreis Segeberg verbindet.  „Nachfahrschaftshilfe" heißt das konstruierte Schlagwort - nach dem früher bekannten Motto „Nachbarn nehmen Nachbarn mit". Erfolgreich werden soll das Mitfahrnetz durch schnell herzustellende Kontakte über ein Internetportal und eine Telefonhotline. Der Kreis will damit die Mobilität von nichtmotorisierten Einwohnern kleiner  Dörfer verbessern, die von Bussen im Öffentlichen Nahverkehr kaum angesteuert werden.
Landrat Jan Peter Schröder drückte am Montag im Kreistagsitzungssaal in Bad Segeberg auf den Knopf, und vor gut 60 Zuschauern öffnete sich das Online-Portal. Der Landrat erklärte die Idee; Oft blieben
drei von vier Autositzen frei, da könne man doch einen Platz jemandem anbieten, der allein nicht wegkommt. Der Kreis wolle die Voraussetzung für Hilfe zur Selbsthilfe schaffen und im wahrsten Sinne des Wortes „Mitnahmeeffekte" nutzen.

„Wir hoffen, dass wir möglichst viele Kommunen und Gemeinden, aber auch Praxen, Geschäfte und Partner aus der privaten Wirtschaft von unserem Konzept überzeugen können. Denn nur so ist eine
großflächige Vernetzung möglich und nur so entsteht eine starke Gemeinschaft, die viele Vorteile für alle Beteiligten mit  sich bringen wird", sagte der Landrat.
Der mobile Service kann über PC, Laptop oder  Smartphone bedient werden. Wer Fahrten anbietet oder eine Mitfahrgelegenheit sucht, kann gleich auf der Startseite Start, Ziel und Termin angeben. Das Portal bringt dann beide Seiten zusammen, dort verabreden sie sich untereinander zum gemeinsamen  Fahren.

Wer will, kann das Angebot oder die Anfrage differenzieren, zum Beispiel ob Raucher/Nichtraucher-Auto, ob mitfahren bei Männern oder Frauen.  Sogar die Kraftstoffart oder die Farbe der Umweltplakette ist  wählbar. Wichtiger ist jedoch, dass das System Mitfahrpartner nicht nur in dem angegebenen Ort sucht, sondern auch in der Umgebung. Auch Fahrten über das Kreisgebiet hinaus oder Fahrgemeinschaften können organisiert werden. Sogar als „praktische Alternative zum eigenen Auto" wird es beworben. Der Kreis tritt mit seinem Mitfahmetz als Mittler in Erscheinung, Haftung kann er nicht übernehmen. Der mobile Service ist für die Nutzer kostenfrei.  16- und 17-Jährige brauchen die Erlaubnis ihrer Eltern. Persönliche Daten würden nicht gesammelt oder weitergegeben, versprach Frank Dalock, Geschäftsführer der Web-Agentur Marktplatz.GmbH, die die Plattform zusammen mit dem Kreis entwickelt hat. Das neue Netz sei nicht nur smart und mobil, und wichtig für die Lebensqualität der kleinen Dörfer, sondern auch gut für die Umwelt und den Klimaschutz. Die „Sozialisierung des Individualverkehrs" wolle das leisten, was „wir im Rahmen der Nachbarschaftshilfe ja kennen - eigentlich". Das betonte Arne Hansen, der die Lenkungsgruppe Mobilität im Projekt „Kreis Segeberg 2030" geleitet hat. „Die große Energiewende werden wir nicht ohne die Verkehrswende hinbekommen."

32 Gemeinden machen zurzeit als Kooperationspartner mit. In einigen Orten sollen demnächst Mitfahrbänke aufgestellt und Halteschilder angebracht werden. Ziel ist es, dass im Kreis ein flächendeckendes Haltestellennetz aus Mitfahrbänken, entsteht, an denen sich Fahrer und Mitfahrer zum gemeinsamen Fahren verabreden. „Miteinander verbunden" heißt die Devise. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt. Die Kosten betragen 249.000 Euro. Den Großteil von 145.000 Euro zahlt die EU über die Aktivregionen  Holsteins Herz, Holsteiner Auenland und Alsterland. Ende 2019 soll das Netzwerk im ganzen Kreis bekannt und ein gutes Beispiel für andere sein.

© Mitfahrnetzwerk: www.mitfahrnetz-se.de  Tel. 04551/951555

Flächendeckendes Netz ist das Ziel

32 Gemeinden sind bereits Kooperationspartner im Mitfahrnetz Segeberg, früher noch Mitnahmenetzwerk genannt: Alveslohe, Bad Bramstedt, Bad Segeberg, Bimöhlen, Damsdorf, Fuhlendorf, Groß Kummerfeld, Heidmoor, Heidmühlen, Henstedt-Ulzburg, Hüttbiek, Itzstedt, Kaltenkirchen, Kattendorf, Kisdorf, Klein Gladebrügge, Latendorf, Nahe, Gering, Oersdorf, Rickling, Schieren, Schmalfeld, Sievershütten,Struvenhütten, Stuvenborn, Sülfeld, Wahlstedt, Wakendorf II, Westerrade und Winsen. Sieben haben einen Antrag gestellt, weitere werden gesucht. In einigen Orten sollen demnächst Mitfahrbänke aufgestellt und Halteschilder angebracht werden. Ziel ist es, dass im Kreis ein flächendeckendes Haltestellennetz aus Mitfahrbänken entsteht, an denen sich Fahrer und Mitfahrer zu gemeinsamen Fahrten verabreden.

Quelle: Segeberger Zeitung, den 16.01.18; von Petra Stöver