< "Holsteins Herz pocht und macht die Regionen lebendig"
24.11.2017 09:03 Alter: 17 days

Ein Herz für Kinder und Jugendliche

Die Menschen in Schleswig-Holstein sind aktiv, um die wirtschaftliche und strukturelle Entwicklung ihrer Region voranzubringen. Das fördern die 22 AktivRegionen mit Mitteln des EU-Programms „Leader". Das Baueenblatt stellt die AktivRegionen und ihre neuen Projekte in einer Serie vor, heute: Holsteins Herz.


"Wir bauen uns unsere Burg", freuen sich Alica (7) und Hauke (9) mit ihren Betreuern Oliver Mylonas und Nina Reher vom Erleben leben e. V. (Erle) in Bad Oldesloe. Foto: Tonio Keller

„Der Platz im Zentrum von Wahlstedt ist ideal", finden Bürgermeister Matthias-Christian Bonse (r.), Regionalmanagerin Silke Beck und Luzian Roth, Geschäftsführer der Stadtwerke. Mit einer Kombikarte können Wohnmobilisten neben den Ver- und Entsorgungsstationen (Ii. Ab- und Frischwasser, r. Strom) auch das Hallenbad nutzen.

Sie hat einen der schönsten Namen, diese AktivRegion. Da macht es nichts, wenn ihre Position auf der Landkarte nicht ganz der menschlichen Anatomie entspricht und auch die Form von der des9betreffenden Organs abweicht: durch den langen Korridor Richtung Süden entlang der B 404, (siehe Umrisskarte der Gebietskulisse r.). Gefühlsmäßig stimmt das mit dem Herz jedenfalls, das zeigt
sich schon durch den Schwerpunkt bei Projekten für Kinder und Jugendliche.

Eine Abenteuerburg
„Wir bauen- uns selbst unsere  Burg" - das war der Wunsch der  Kinder, die zum Abenteuerspielplatz des Vereins Erleben Leben e.V. (Erle) am Poggenbreden in  Bad Oldesloe kommen. Die Kinder gestalten hier mit, und da das Werkeln an einer Holzburg nur mit  professioneller Aufsicht geschehen  kann, wurde jetzt von der AktivRegion die Einstellung zweier Pädagogen für drei Jahre gefördert - mit der Höchstfördersumme von 100.000 € bei 164.000 € Gesamtkosten. Neben der Burg entstehen noch zwei Hochbeete, ein Stall für Hasen und Hühner und vieles mehr. „Immer wenn ich herkomme, sehe ich etwas Neues", freut sich Regionalmanagerin Silke Beck. Der Verein betreibt den Spielplatz seit 2012 ehrenamtlich, die Kinder können ohne Beitrag kommen - eine wichtige Sache in dem Hochhausviertel, in dem viele sozial schwache Familien wohnen.
„Wir achten darauf, dass geförderte Projekte auch für die Bevölkerung zugänglich sind", erklärt Vorstandsvorsitzender Werner Schultz. So werden etwa offene Schulhöfe nur gefördert, wenn  es dort auch Angebote für alle gibt. In Lütjensee wird unter Moderation des Kreisjugendringes Stormarn ein veralteter Spielplatz modernisiert und dabei auch an ältere Menschen gedacht: mit barrierefreiem Zugang, Sitzgelegenheiten und einem Schachfeld.

Problem Bagatellgrenze
Ein Problem stelle die vorgegebene Bagatellgrenze von 3.000 € für private und 7.500 € für kommunale Projekte beim Leader-Programm der EU dar, erläutert Regionalmanagerin Beck. Deshalb wurde unter anderem ein Jugendförderfonds eingerichtet, der aus den Mitgliedsbeiträgen gespeist wird und außerhalb von Leader 5.000 € im Jahr an kleinere Projekte vergeben kann, maximal 500 € pro Projekt. Seit 2011 wurden so rund 40 Projekte gefördert. Eines davon ist die Leiterausbildung für einen Breakdanceverein in Wahlstedt im Sinne der Gewaltprävention, ein anderes der Mitmachzirkus Zaretti  in einer Kita in Trappenkamp, ein weiteres eine Kinderlounge am Jugendzeltplatz Wittenborn.
Doch nicht nur Vereine, sondern auch kleinere Kommunen sind durch die Bagatellgrenze oft  überfordert. „Es fällt auf: Je kleiner die Gemeinde ist, desto schwerer fällt es ihr, die Eigenmittel aufzuwenden", sagt Schultz. Dass aus solchen Gründen mehrere Gemeinden im Gebiet von Holsteins Herz zu Beginn der neuen Förderperiode ausgestiegen sind (siehe vorige Folge im Bauernblatt), kann der Vorsitzende allerdings nicht nachvollziehen: „Keine Gemeinde wird arm, wenn sie diesen Beitrag bezahlt, und er dient der Aufwertung des ländlichen Raumes." Er gibt ein Beispiel: „In der Gemeinde Pölitz, die ausgetreten ist, wollte jemand ein Sportprojekt fördern lassen, und das war uns dann nicht
möglich." Dieser Umstand mag auch Ursache dafür sein, dass in dieser AktivRegion bisher eher wenige Projekte im dörflichen Ambiente angesiedelt sind. Zwei der wenigen Beispiele sind der Ausbau eines
Holzhauses am Sportplatz in Pronstorf als Dorfgemeinschaftshaus unter Beteiligung der LandFrauen und der Volkshochschule sowie die Wiederherrichtung des Ehrenfriedhofs in Klein Wesenberg durch Schulklassen der Berufsschule in Bad Oldesloe mit geschichtlicher Arbeit zum Leben der Gefallenen.   Aus der Landwirtschaft direkt sei bisher noch nichts gekommen, bedauern Schultz und Beck: „Wir würden uns sehr über Anträge aus der Landwirtschaft und aus dem dörflichen Bereich freuen. Das können durchaus auch Ideen sein, die noch nicht ausgereift sind. Dafür sind wir da."
Ihr Büro betreibt Regionalmanagerin Silke Beck zusammen mit der Assistenzkraft Silvia Fritz in der  Hamburger Straße 109 in Bad Segeberg - ganz themennah im Gebäude der Landwirtschaftsschule.  Eine Besonderheit der AktivRegion Holstseins Herz ist übrigens der Beirat, der aus vier Personen  besteht und die Anträge für den Vorstand vorbereitet, der dann darüber entscheidet. Der Beirat wird gewählt von einem zentralen Arbeitskreis, an dem alle Interessierten mitwirken können, unabhängig  von einer Mitgliedschaft in der AktivRegion.

Problem Höchstgrenze
Nicht nur die Bagatellgrenze, auch die festgelegte Höchstfördergrenze von 100.000 € stellt ein Problem dar, und zwar im Bereich Klimaschutz. Das ist eines der vier vorgegebenen Kernthemen und muss  entsprechend berücksichtigt werden. Doch der Bau einer Solaranlage kostet leicht einmal 900.000 €,  „und da können wir nicht mithalten, da gibt es wesentlich lukrativere  Fördermöglichkeiten",  so  Schultz. Gut und schön, aber die entsprechenden Leader-Budgets bleiben so unausgeschöpft. „Es ist
 nicht so leicht für uns, auch kleinere Klimaschutzprojekte zu finden. Es wäre schade, wenn wir am Ende der Förderperiode Geld zurückgeben müssten."

Vereinheitlichung der Sätze
Eine Maßnahme, die nun zur Halbzeit der Förderperiode umgesetzt werden soll, ist die Vereinheitlichung der Rahmenbedingungen: Die Förderquote wird einheitlich auf 55 %, die Höchstförderung auf 100.000 € festgelegt, egal ob es sich um private oder kommunale Träger handelt oder in welchem Kernbereich das Projekt angesiedelt ist. Dadurch gibt es etwa im Bereich Bildung mehr Möglichkeiten und ebenfalls für Projekte von Vereinen und Körperschaften wie der Lebenshilfe, denn die gelten ja als private Träger.

Ein Platz für Wohnmobile
Schließlich bleibt auch die touristische Aufwertung nicht außen vor: Ortstermin in Wahlstedt, wo in zentraler Lage direkt am Horst-Max-Tietz-Hallenbad Stellplätze für Wohnmobile eingerichtet wurden. Dort gibt es eine Station für Frischwasserversorgung und eine für Fäkal- und Grauwasserentsorgung sowie zweimal vier Elektroanschlüsse, sodass gleichzeitig acht Wohnmobile andocken können.  Die Anschlüsse konnten günstig über die vorhandene Technik des Hallenbades eingerichtet werden, die Umsetzung oblag den Stadtwerken. „Die Lage ist ideal", erklärt Bürgermeister Matthias-Christian Bonse, „Einkaufsmöglichkeiten und Infrastruktur sind fußläufig um die Ecke,  und wer möchte, kann das Hallenbad nutzen" - für einen Aufpreis von 2 € auf das Grundticket für 8 €.  Das Projekt hatte Gesamtkosten von 54.000 €, die mit 22.750 € gefördert wurden. Die Anlage ergänzt die Achse mit den bestehenden Wohnmobilplätzen in Bad Segeberg und Trappenkamp. „Es ist ein klassischer Stellplatz für die Fahrt", weiß Bürgermeister Bonse, der selbst Wohnmobilist ist: „Hier macht man nicht drei Wochen Urlaub, hier sucht man auf der Fahrt eine gute Station für die Nacht."   von Tonio Keller

Quelle: Bauernblatt, den 18.11.17