< "500 LandInitiativen" zur Flüchtlingsintegration
07.02.2017 08:43 Alter: 110 days

Endspurt für das Hüttendorf

Die halboffenen Hütten am Jugendgästehaus in Lütjensee werden gerade noch rechtzeitig zum Saisonbeginn fertig.


"Kinder lieben Liegewiesen", sagt Uwe Sommer, der sich auf die erste Saison mit halboffenen Hütten statt Zelten freut. (Foto: Blase)

Jeweils sechs Hütten bilden ein Dorf. (Foto: Blase)

Die drei Hüttendörfer befinden sich zwischen den Jugendgästehaus und dem Sportplatz, der ebenfalls komplett erneuert wird.

Das Hüttendorf am Jugendgästehaus des Kreisjugendrings (KJR) in Lütjensee nimmt zwar Gestalt an, bis dahin war es aber ein weiter Weg. „Wir haben schon Ende der 90er Jahren darüber gesprochen, die Zelte zu ersetzen“, erinnert sich KJR-Geschäftsführer Uwe Sommer. Zeltlager gab es schon in den 50er Jahren am Lütjensee, damals aber noch auf einer Wiese mit Blick auf den See.

In den 80er Jahren machte der Kreis eine neue Planung mit Baumgruppen für die Zelte. Warum man dafür Linden auswählte, ist für Uwe Sommer bis heute ein Rätsel. Die klebrigen Früchte, die die Linden massenweise abwerfen, „sind der Tod jedes Zeltes.“ Hunderte Euro mussten jährlich für die Reinigung oder den Austausch der Planen aufgewendet werden, denn die Linden wollte die Naturschutzbehörde des Kreises auf keinen Fall fällen.

Auch für den Bau des Hüttendorfs durfte nicht ein Baum fallen. Die Löcher für die Punktfundamente mussten in den Bereichen, in denen Wurzeln sein könnten, von Hand ausgeschachtet werden. Fand man zu viele Wurzeln, wurden die Hütten versetzt. Zumindest der „Abwurf“ der Bäume sollte in Zukunft aber kein Problem mehr sein: die Hütten erhalten ein Gründach.

Billig ist der Spaß nicht. Rund 800  000 Euro kosten die 18 Hütten aus Lärchenholz, die in drei „Dörfer“ aufgeteilt sind und Platz für 132 Menschen bieten. Zur Anlage gehören zudem eine große offene Versammlungshütte, ein Multifunktionsplatz, eine Boule-Bahn und Sitzgruppen. Je fünf Hütten bieten Platz für acht Kinder und Jugendliche, je eine ist behindertengerecht, verfügt über eine Tür, verfügt und hat zwei einzelne Schlafplätze.

Die anderen Hütten sind nicht geschlossen und haben ein Doppelstockbett mit zwei vier mal zwei Meter großen Liegewiesen. „Das lieben Kinder“, weiß Uwe Sommer. Auch für die halboffene Variante hat sich der KJR ganz bewusst entschieden: „Es hat wie das Zelten etwas von Abenteuer und ist einfach naturnäher“, sagt Uwe Sommer. So wie ein Zelt wird man auch die Hütten schließen können – mit einer Plane.

Mit diesem Konzept zwischen Ferien- und Nur-Dach-Hütte steht das neue Jugendcamp am Lütjensee ziemlich einmalig da. Auch das Selbstversorger-Prinzip des Jugendgästehauses sucht seinesgleichen. Während es in anderen Einrichtungen Nutzungsvorschriften und Essenszeiten exakt gibt, „können die Gruppen bei uns machen, was sie wollen – so lange am Ende alles wieder so ist wie vorher“, sagt Sommer.

Auch jetzt schon ist Lütjensee an 300 Tagen im Jahr belegt. Im vergangenen Jahr waren 5000 junge Leute da, die meisten aus Schleswig-Holstein. „Wir sind sehr regional, und genau das wollen wir ja auch“, so der KJR-Geschäftsführer. Gruppen aus Stormarn haben nicht nur ein Vorbelegungsrecht, sie zahlen auch deutlich geringere Beiträge als Auswärtige. Die Nacht im Haus kostet sieben, im Camp vier Euro. Auswärtigen Erwachsenen werden 16 Euro im Haus berechnet. Theoretisch: „Wir sind so belegt, dass sie ohnehin keine Chance haben.“

Mitte April sollen die ersten Gruppen in das Hüttendorf einziehen. „Wir mussten nur einen Termin verschieben“, freut sich Uwe Sommer, dass die Fertigstellung trotz der Turbulenzen im Vorfeld fast pünktlich erfolgen wird. Das Hüttendorf war vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) als eines von sechs Projekten ausgewählt worden. Ende Juni 2016 kam jedoch die Mitteilung, dass die 415  000 Euro aus dem Eler-Programm sowie 172  000 Euro von Bund und Land erstmal nicht ausgezahlt würden. Der Kreis, der mit 216  000 Euro dabei ist, wollte nicht das Risiko eingehen, am Ende für 800  000 Euro gerade stehen zu müssen. Weil das Land sich bereit zu einer „Bürgschaft“ bereiterklärte, konnte das Hüttendorf dann doch noch in Angriff gemommen werden.

Quelle: Stormarner Tageblatt, den 05.02.17, von Ralf Blase